KWM Aktuell

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25.07.2014 – Offener Mitarbeiterbrief des Betriebsrates

In einem „Offenen Mitarbeiterbrief“ wendet sich der Betriebsrat der Kraftwerk Mehrum GmbH an politische Verantwortliche, Gewerkschaften, Arbeitnehmervertreter anderer Energieversorger sowie an regionale und überregionale Presseorgane.

In Zeiten der Energiewende sorgen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kraftwerk Mehrum GmbH mehr und mehr um den Kraftwerksstandort, die damit verbundenen Arbeitsplätze und die allgemeine Versorgungssicherheit mit elektrischer Energie der Menschen in unserem Land. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekennen sich eindeutig zu einer ressourcenschonenden Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern, die allerdings in absehbarer Zeit nicht ohne den weiteren gesicherten Betrieb und Erhalt konventioneller Kraftwerke, technisch sowohl auch wirtschaftlich, zu realisieren ist.

Die Politik ist hier gefordert, sich den dargelegten Problematiken anzunehmen und schnellstmöglich praktikable Lösungen und Konzepte zu erarbeiten und diese auch umzusetzen.

Der „Offene Mitarbeiterbrief“ im Wortlaut:

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,

als Mitarbeiter der Kraftwerk Mehrum GmbH sind wir seit Jahren Betroffene, wenn es um die „Regulierung des Strommarktes“, die Umsetzung des „Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) oder die Durchsetzung anderer politischer Ziele geht.Jeden Tag aufs Neue bemerken wir, dass es bei dem Thema „Energiewende“ leider immer weniger um Sachargumente und die Suche nach der besten Lösung geht, sondern verstärkt darum,  politische Interessen und Ideologien durchzusetzen.

Die „Expertenmeinungen“ der jeweiligen Lager zum Thema Energiepolitik sind hinlänglich bekannt, und es wird nach wie vor ergebnislos darüber gestritten. Wahrscheinlich verhält es sich hier, wie überall im Leben: Es gibt nicht nur schwarz oder weiß.

Wir Mitarbeiter im Kraftwerk Mehrum sind der Meinung, dass eine Welt, die ihre Energieversorgung ausschließlich ressourcenschonend und ohne jegliche Umweltbelastung  durch „Erneuerbare“ bereitstellt, der Idealfall wäre. Allerdings sind wir dazu derzeit technisch, wie auch finanziell, nicht in der Lage. Und dass nicht immer die Sonne scheint oder ein stetiger Wind weht, ist wohl auch jedem klar.

Deshalb wird unser Land auf absehbare Zeit konventionelle Kraftwerke benötigen. Dies wird auch von der Politik so gesehen.

Bei all diesen Diskussionen wird aber eine Thematik gar nicht oder wenn, dann nur am Rande diskutiert und beachtet. Nämlich die der betroffenen Menschen.

Als Mitarbeiter der Kraftwerk Mehrum GmbH möchten wir Ihnen auf diese Weise eine typische Situationsbeschreibung für ein deutsches konventionelles Kraftwerk geben:

Wir betreiben in Mehrum (Kreis Peine) ein Kohlekraftwerk mit 750 MW Bruttoleistung und können mit dieser Leistung eine Großstadt wie Hannover oder Braunschweig versorgen. Viele unserer Mitarbeiter betreuen diesen Kraftwerksblock bereits seit Ende der 70-er Jahre. Die Kollegen identifizieren sich mit dem Kraftwerk und haben es über Jahrzehnte durchgängig, so wie auch die Bediensteten im Krankenhaus, bei der Feuerwehr oder der Polizei, im ständigen Wechselschichtdienst, zuverlässig in Betrieb gehalten. Natürlich auch an Wochenenden und Feiertagen.

Wir erlangen immer mehr den Eindruck, dass dieser Einsatz seitens der Politik nicht mehr wahrgenommen, geschweige denn honoriert wird. Noch vor 4 Jahren war das Betreiben eines Kraftwerks rentabel. Kostenintensive, aber notwendige Investitionen wurden umgesetzt  und führten zu „mehr Leistung bei gleichem Brennstoffeinsatz“.

Allein unsere Investitionen der letzten Jahre bewirkten eine Leistungssteigerung von ca. 6 % bzw. eine Erhöhung der Jahresarbeit um ca. 320 GWh bei kontinuierlichem Volllastbetrieb.

Diese Strommenge entspricht etwa der durchschnittlichen Produktionsleistung von 160 Windkraftanlagen mit je 2,0 GWh Jahresproduktionsleistung.

Warum werden solche Ressourcen aus rein politischen Gründen nicht mehr genutzt?

Sinnvolle und notwendige Investitionen bleiben schon seit Langem aus. Investoren und Anteilseigner sind aus verständlichen Gründen verunsichert. Geld ist mit Kraftwerksanlagen nicht mehr zu verdienen und das Kraftwerkssterben hat begonnen. Lange halten wir diesem Druck nicht mehr Stand. Unsere Kraftwerke werden landesweit kaputtgespart.

Obwohl unser Land auf absehbare Zeit konventionelle Kraftwerke benötigt.

Für uns Mitarbeiter ist diese Entwicklung unverständlich. Es ist demotivierend, wenn unser Engagement von außen als nicht mehr notwendig abgestempelt wird. Für den Fall, dass dieser Weg seitens der politischen Entscheidungsträger weiter beschritten wird, ist eine Umkehr ohne einen zusätzlichen finanziellen Kraftakt so gut wie ausgeschlossen. Der Investitionsstau in deutschen Kraftwerken ist jetzt schon immens.

Hierbei ist zu bedenken, dass ein neues Kraftwerk rund 1,5 Milliarden Euro kostet. Dazu müssen in die Ausbildung von Kraftwerksmitarbeitern weitere Millionenbeträge investiert werden. So dauert eine Ausbildung zum einsatzfähigen Kraftwerksmeister etwa 8 -10 Jahre.

Zurzeit verfügen wir noch über diese Ressourcen. Allerdings nicht mehr lange. Unser Land begibt sich ohne Not in eine Zwangslage.

Das ist Vernichtung von „Volkseigentum“, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Warum erhalten wir uns dieses „Know-how“ nicht?

Zurück zum Kern unseres Anliegens. Unser Kraftwerk ernährt inklusive den Mitarbeitern aus Zulieferbetrieben direkt rund 250 Familien, die ihren Lebenslauf seit Jahrzehnten nach den Belangen einer sicheren Stromversorgung für unsere Volkswirtschaft ausgerichtet haben. Als bedeutender Arbeitgeber der Region fördern wir Institutionen, wie die freiwillige Feuerwehr, ehrenamtliche Vereine und Schulen.

Aus diesem Grund erheben wir hier nun unsere Stimme und bitten darum, auch einmal an uns, unsere Kollegen in allen deutschen Kraftwerken und die vielen Mitarbeiter der Zuliefer- und Herstellbetriebe zu denken.

Viele Kraftwerke sind schon geschlossen und die Kollegen sind arbeitslos. Wir alle machen uns wirklich Sorgen und bitten Sie, sich unsere vorangegangenen Argumente durch den Kopf gehen zu lassen. Ohne Veränderung wird die v. g. Entwicklung nicht mehr lange gut gehen.

Vielleicht konnten wir Sie für unsere Argumentation gewinnen. Wir bitten Sie, sich mit Ihren zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen, dass in unserem Land eine finanzierbare und ausgeglichene Energiewende stattfinden kann und die dafür benötigten Arbeitsplätze erhalten bleiben.

 

Vielen Dank im Voraus,

Rainer Rettberg-Berkowsky
Betriebsrat, Kraftwerk Mehrum GmbH

 

Verteilerliste des Offenen Briefes

Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,
Herr Bundesminister Sigmar Gabriel,
Frau Bundesministerin Ursula von der Leyen,
Herr Ministerpräsident Stephan Weil,
Herr Minister Olaf Lies,

An die Bundestagsabgeordneten:
Ute Bertram, Edelgard Bulmahn, Hubertus Heil, Dr. Hendrik Hoppenstedt, Dr. Matthias Miersch, Dr. Carola Reimann, Kerstin Tack, Dr. Maria Flachsbarth, Sven-Christian Kindler, Dr. Roy Kühne, Uwe Lagosky, Wilfried Lorenz, Caren Marks, Carsten Müller, Ingrid Pahlmann,Brigitte Pothmer, Bernd Westphal,

An die Landtagsabgeordneten:
Dirk Toepffer, Doris Schröder-Köpf, Silke Lesemann, Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Sylvia Bruns, Markus Brinkmann, Klaus Krumfuß, Dr. Stefan Birkner, Matthias Möhle, Horst Schiesgeries, Stefan Klein, Christoph Bratmann, Rudolf Götz, Rainer Fredermann, Editha Lorberg, Thomas Adasch, Gabriela Kohlenberg, Dr. Christos Pantazis, Klaus-Peter Bachmann, Ingrid Klopp, Frank Oesterhelweg, Marcus Bosse, Bernd Lynack, Dr. Thela Wernstedt, Stefan Politze, Michael Höntsch,Ottmar von Holtz, Maaret Westphely, Thomas Schremmer, Belt Onay, Gerald Heere, Björn Fösterling,

An die Landräte: Rainer Wegener, Franz Einhaus,
Regionspräsident der Region Hannover Hauke Jagau,
Europaabgeordneter David McAllister,

An die Herren Oberbürgermeister:
Stefan Schostock, Ulrich Markuth, Dr. Ingo Meyer, Frank Klingebiel

An die Herren Bürgermeister:
Michael Kessler, Klaus Sidortschuk, Alexander Huszar, Reiner Bender, Carl Jürgen Lehrke, Klaus Grimm, Alfred Baxmann, Werner Backeberg, Axel Witte, Gundolf Kemnah, Karl-Heinz Wondatschek, Wolgang Moegerle,

An die Damen und Herren Ortsbügermeisterinnen und Ortsbürgermeister:
Dirk Werner, Jürgen Rissel, Dieter Böker,
Rainer Röcken,Jürgen Heuer, Jürgen Schoke, Jürgen Pagel, Uwe Lauenstein, Peter Goor, Reinhard Ratay, Christoph Aue, Johannes Ossenkop, Herbert Aselmeier, Karl Heinz Stein, Friedhelm Hallmann, Ute Günther, Jörg Bokelmann, August-Ludwig Ohlms, Carsten Schierbaum, Peter Michael Engelhardt, Ellen Krone, Josef Stuke, Reinhard Wirries, Burkhard Kallmeyer, Reimund Kaune, Friedrich Steinmann, Manuela Vollmer, Thorsten Künnemann, Hansgeorg Böttcher, Heinz Joachim Henke, Jens Böker, Jürgen Könnecker, Heinz-Erwin Dahlheimer, Volker Burg, Otto Mai, Armin Beckmann, Martin Lutter, Werner Büto, Klaus Schulz, Heidrun Bleckwenn, Hans-Egon Seffers, Dr Jens Utermann, Frank Seger, Jürgen Kelich, Christian Böhme,Werner Tostmann, Regine Höft, Werner Bethmann, Reinhard Burzig, Christa Strube, Ute Alheid, Ewald Werthmann, Gustav Kamps, Michael Ramm, Ulrich Seffer, Hans-Joachim Berkmann, Karl-Heinz Randt, Holger Meyer, Rolf Kobbe, Arthur Mohwinkel, Günther Meyer, Hubert Keuchel, Imke Jeske-Werner, Günther Krille, Hans-Hermann Brockmann, Jürgen Buchholz, Reinhatd Degotschin, Eike Dralle, Werner Hübner, Joachim Hutschenreuter, Frank Prusseit, Hartmut Schulte, Norbert Vanin, Ulrich Käsehagen, Uwe Leder, Silke  Wirries, Hans-Jürgen Espenhain, Meike Bokelmann,

An die Damen und Herren Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher:
Martin Ritter, Susanne Lutter-Brunotte, Uwe  Semper,
Gerhard Schauer, Hans-Jürgen Hennies, Annette Harbord-Bartsch, Arthur Rienas,Jürgen Müller

IHK Präsidenten Dr. Hannes Rehm, Dr. Wolf-Michael Schmidt,
Ver-di Gewerkschaftsvorsitzenden  Frank Bsirske,
IG Metall Gewerkschaftsvorsitzenden Detlef Wetzel,
IG BCE Gewerkschaftsvorsitzenden Michael Vassiliadis
Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Hannover Dirk Schulze,
Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Braunscheig Detlef Kunkel,
Bezirksleiter Jörg Liebermann, Wolfgang Bossey
An die ver.di Gewerkschaftsseketärinnen und Gewerkschaftssekretäre:
Blanca Blancke, Melina Wulf, Christopher Schmidt, Simon  Brandmaier,
ver.di Geschäftsfüher Sebastian Wertmüller,
ver.di Geschäftsführer Willi Grewe
Enercity Betriebsratsvorsitzender Martin Bühre,

An die Betriebsratsvorsitzende von:
Heizkraftwerk Altbach/Deizisau, Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe, Kraftwerk Roststock, Trianel Kohlekraftwerk Lünen, Gemeinschaftskraftwerk Kiel, STEAG Kraftwerk Walsum, Kraftwerk Ensdorf, STEAG Kraftwerk Herne, E.ON Kraftwerk Heyden, E.ON Kraftwerk Scholven, Gemeinschaftskraftwerk Veltheim, E.ON Kraftwerk Datteln, E.ON Kraftwerk Kraftwerk Knepper, E.ON Kraftwerk Shamrock, E.ON Kraftwerk Staudinger, STEAG Kraftwerk Bexbach, GDF SUEZ Kraftwerk Farge, Heizkraftwerk Berlin Reuter West, RWE Kraftwerk Westfalen, E.ON Kraftwerk Wilhelmshaven, STEAG Kraftwerk Voerde, Kraftwerk Bergkamen,BS-Energy Kraftwerk Braunschweig-Mitte, Kraftwerk Heilbronn, STEAG Kraftwerk Weiher, Großkraftwerk Mannheim, GDF Suez Kraftwerk Zolling, Kraftwerk Werdohl-Elverlingsen, EnBK Kraftwerk Walheim, SWM Heizkraftwerk Nord, Vattenfall Kraftwerk Tiefstack, RWE Kraftwerk Ibbenbühren, RWE Kraftwerk Gersteinwerk, MIBRAG Kraftwerk Buschhaus,BS-Energy,

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